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Vortrag von Guruji Mohan, Bremen, 14.07.1998:
Ich möchte Ihnen etwas über den Weg der Meditation erzählen, den Prozess des Meditierens, der ein wichtiger Teil unseres Lebens ist. Und wenn wir das annehmen, werden wir völlig verändert werden.
Ich werde Ihnen eine Definition von Meditation geben. Diese höchst schwierige (komplexe) Sache ist schwierig zu definieren.
Meditation ist Erfahrung, wir ziehen bestimmte Einflüsse an. Was ist Liebe? Ich werde versuchen, mit Worten so zu definieren was Meditation ist, dass es Ihren Verstand und Ihre Herzen erreicht.
Meditation heißt, aufzuhören zu träumen, wenn wir aufhören zu träumen, uns unsere eigene Welt zu schaffen. Jeder Mensch hat seine eigene Welt, nicht geographisch, sondern jeder Verstand hat seine eigene Welt und seine eigene Art zu denken. Das ist die Grundfunktion. Es ist eine Stufe von „No Mind“. Das ist nicht dasselbe wie bei Geisteskranken, die keine (klaren) Gedanken haben. Der physische Körper beinhaltet den Verstand und die Wirkungsweise des Verstandes ist es, zu denken. Der Verstand schafft sich seine eigene Welt, seine eigene Art zu leben. Jeder Einzelne, jeder normale Mensch sieht Träume (träumt). Träume sind wichtig. Nachts sind (alle) Aktivitäten gestoppt und in Ihren Träumen schaffen Sie sich Ihre eigene Welt: Freundschaft, Licht, Wind und Sie identifizieren sich mit dem Traum. Egal, ob es um Liebe oder Hass geht, Sie identifizieren sich damit. Es ist Ihre eigene Schöpfung. Aktivitäten haben aufgehört. Das ist die Begründung für die Träume. Und auch am Tage, wenn Sie sich in einen Sessel setzen und entspannen, sind Träume da. Auch Sterne sind am Himmel - und nachts scheinen sie. Auch am Tag sind sie da, aber wegen des Tageslichts können wir die Sterne nicht sehen.
Die Träume sind da, Tag und Nacht. Wegen der Aktivitäten sind sie nicht sichtbar, aber sie sind da. 24 Stunden am Tag sehen Sie Träume (träumen Sie), die ganze Zeit. Sagen Sie zu sich selbst „Ich bin weg“ , schließen Sie Ihre Augen, und Sie werden träumen. Das ist das Allerwichtigste. Buddha und die Upanishaden sagen, dass die Menschen schlafen. Vorzugeben, dass ich wach bin, geht von der Annahme aus, dass ich wach bin. Das stoppt Ihre Art der Meditation.
Meditation findet statt, wenn Sie mit allen Ihren Träumen aufhören (...) Wenn es keinen Traum gibt, geschieht etwas. Das ist die Stufe der Erleuchtung. Buddha, Jesus können keine Träume mehr sehen (nicht mehr träumen).
Meditation findet statt, wenn Sie alle Ihre Träume stoppen. Wenn Sie z.B. einen Film sehen und dabei das Subjekt vergessen, wer sieht diesen Film? Niemand weiß es. Wer bist du?
Es gibt eine Philosophie in Indien, die sagt, dass die Welt „maya“ ist - eine Illusion.
„Sancara“ sagt, die Welt ist eine Illusion. Aber als es ins Deutsche übersetzt wurde, gab es einen Übersetzungsfehler. Sancara war kein Philosoph, sondern eine Technik (Es ist nicht die Hypothese, ob diese Welt eine Illusion ist oder nicht). Sich selbst in dieser Welt zu erkennen ist auch „maya“.
Im 18.Jh. gab es einen westlichen Philosophen, Berkeley. Er sagte, diese Welt ist ein Traum. Und dann war da Dr. Johnson, ein überzeugter Realist. Eines Tages machten sie einen Spaziergang und Berkeley sagte, diese Welt ist eine Illusion. Da nahm Dr. Johnson einen Stein und warf ihn an Berkeleys Bein. Das Ergebnis war, dass es blutete, und Dr. Johnson fragte, ob dieses Blut ebenfalls eine Illusion sei. Berkeley sagte: Ja.
Berkeley war also ein Hypothesen bildender Philosoph. Aber Sancara ist eine Technik für die Meditation. Das ist der Hauptunterschied. Sancara meint, wenn du wissen willst, dann kannst wissen (kennen lernen, erfahren).
Berkeley stellte diese Hypothese auf, dass die Welt ein Traum ist. Das mag richtig oder falsch sein. Er war ein Philosoph. Er hatte keine Lebenserfahrung. Er weiß in seinem Kopf, dass die Welt ein Traum ist. Er hat keine Erfahrung, nur Gedanken.
Sancara behauptet niemals so etwas. Es stellt nie Hypothesen auf über falsch oder richtig, sondern man kann es selbst herausfinden. Ob diese Welt eine Illusion ist oder nicht – Sie werden es herausfinden.
Sancara geht von vier Stufen aus:
Die erste Stufe ist „Jágrati“:
Sie stehen auf, putzen sich die Zähne, frühstücken, lesen die Zeitung, gehen zur Arbeit, kommen abends nach Hause. Sie träumen, aber aufgrund der Aktivitäten sind die Träume verdrängt. Die Träume sind da. (...)
Die zweite Stufe ist Swap`na:
Das meint tatsächlich Traum. Nachts gehen Sie schlafen und träumen. Wenn Sie in diesem Traum einen Menschen töten, ist das Sünde? Sie werden zum Gewalttäter im Traum, ist das Sünde? Es ist eine Illusion. Sie erschaffen etwas. Sie sind ein Schöpfer, Sie können töten, lieben, hassen. Sancara sagt, auf dieser zweiten Stufe kann jeder Mensch seine eigene Schöpfung (das von ihm selbst Erschaffene) sehen. Wenn Sie entspannt sind, sind Träume da und Sie identifizieren sich mit den Träumen. Wenn Sie im Traum Sex sehen (von Sex träumen), dann haben Sie dieselben sexuellen Gefühle in ihrem Körper.
Die dritte Stufe ist Susúpti:
In jeder Nacht träumen sie. Jeder Mensch stirbt nach zwei oder drei Träumen. So ist die Situation in Ihrem Verstand und Ihrem Körper. Für die Dauer einiger Sekunden sind Sie tot. Dann gibt es keinen Traum, keine Welt, nichts Erschaffenes (keine Schöpfung), jede Art von selbst Erschaffenem ist gestoppt, und Ihr Körper wird in dem selben Augenblick regeneriert. Sie bekommen eine Menge Energie und morgens sind Sie frisch. Diese Frische lässt sich zurückführen auf Susúpti, nicht auf die Träume.
Diese dritte Stufe ist gleichzusetzen mit dem Tod. Wenn es kein Susúpti gibt, sind Sie am nächsten Morgen müde. Das ist nicht so gut. Der Schlaf in der Nacht ist gleichzusetzen mit Tod. In jeder Nacht lernen Sie etwas darüber, aber Sie sind sich dessen nicht bewusst.
Ihr Problem ist, dass Sie sich damit identifizieren. Sie wollen sich nicht auf die dritte Stufe begeben.
Die vierte Stufe ist Duriá:
Das umfasst, wenn jemand erwacht ist, wie Buddha oder Jesus, wenn man erleuchtet ist. Das bedeutet, dass man alle drei Stufen kennt.
Es gibt vier Stufen, und eine Person, die alle vier Stufen kennt, das ist mit Duriá gemeint. Alles ist „maya“, Illusion. Es gibt eine Technik, die sehr wichtig ist. Probieren Sie es zu Hause, das ist sehr gut für Sie.
Sie werden beginnen zu denken, dass alles ein Traum ist. Sancara gab nie irgendeine Art von Mantra. Mantra bedeutet, etwas ohne Gewahrsein (Achtsamkeit) zu wiederholen. Indem Menschen Mantras anwenden, schlafen Sie ein. Mantras wirken folgendermaßen: z.B. ein kleines Kind ist im Bauch der Mutter und schläft dort auf das Angenehmste, und das Kind hört den Herzschlag der Mutter, das Geräusch, und das Kind hört genau dies „Tipp- Tipp- Tipp“. Wenn das Kind geboren ist und draußen ist, fängt es an zu weinen. Dann nimmt die Mutter das Kind auf den Arm, umarmt es und nimmt es nah an ihr Herz. Das Kind hört dieses „Tipp- Tipp- Tipp“ wieder und beginnt zu schlafen. Das ist das Schlaf-Mantra des Kindes.
Bei (der Technik des ) Sancara gibt es kein Mantra. Das Anwenden von Mantras mag genauso verkehrt sein wie Drogen oder das Schlafengehen. Sie kennen die Bedeutung nicht, aber Sie singen das Mantra und halten sich für spirituell. Sancara sagt: Wenn Du zu wahrem Wissen über die Welt gelangen willst, dann beginne damit, zu denken „Diese Welt ist ein Traum.“ Und was auch immer wir tun, tun wir in diesem Traum. Dies ist eine individuelle Übung. Wir sprechen, hören zu, essen in einem Traum – ohne Mantra. Was wird geschehen? Das ist nicht so schwierig. Das ist kein Hatha-Yoga. Merken Sie sich einfach: „Dies ist ein Traum.“ Und sie werden nachts träumen und Sie werden sich erinnern, dass dies ein Traum ist, und Sie werden erwachen und automatisch werden Sie feststellen, dass diese Welt „maya“ ist. Fahren Sie einfach fort, in aller Bewusstheit zu wiederholen, dass diese Welt ein Traum ist. Sancara sagt: Innerhalb von drei Wochen werden Sie dann, wenn Sie träumen, aufwachen und feststellen, o.k. das ist ein Traum. Sie werden die Unterschiedlichkeit von Träumen herausfinden und Sie werden Ihren eigenen Himmel sehen.
Das zweite Sancara sagt, wenn man nicht erkennen kann, dass die Welt „maya“ ist, dann bedeutet das, dass man in seinem Ego zentriert ist. Als ein Mensch mit viel Ego betrachtet man die Welt so, dass sie sich um einen selbst dreht.
Es gibt zwei Arten von Menschen:
1. Jede Person hat Ego, das muss so sein, wenn es kein Ego gibt, dann macht es keinen Sinn, hier zu sitzen.
2. Aber manche Leute versuchen, andere zu kontrollieren, zu beherrschen. Das ist vermehrtes Ego. Ich spreche mit einer Person aus Liebe und diese Person versucht mich zu besitzen, weil ich eine sehr zarte (süße) Person bin, (so jemand) versucht, die Welt der anderen Person zu stören.
Ich habe auch Ego, aber ich verwende mein Ego zu Ihrem Besten, nicht, um mein Ego zu missbrauchen. Und aufgrund meines Egos esse ich, gehe zur Toilette, höre mir Ihre Probleme an. Aber manche Menschen haben noch viel mehr Ego. Sie versuchen zu kontrollieren, zu bestimmen, zu beherrschen, Ihre Freunde zu kontrollieren. Sie sind vom Ego bestimmt.
So gibt es noch eine weitere Technik:
Sagen Sie sich: „Ich bin.“ Wiederholen Sie das immerzu, bei jeder Tätigkeit. „Ich bin der Macher. Ich bin der Mann. Wegen mir geschieht das.“ Und tun Sie das mit Bewusstheit. Das ist auch ein Mantra, aber auf eine andere Art. Nach einigen Tagen wird daraus automatisch etwas folgen:
„Ich bin.“ wird kommen und Ihre Träume werden verschwinden. Träume verschwinden – das ist Meditation. Es gibt da eine Lücke zwischen dem Traum und Ihrer Bewusstheit. Sie werden erweckt werden ohne irgendeinen Guru (Lehrer).
Und die zweite Technik:
„Ich bin der Verantwortliche.“ „Ich bin der Macher.“ Nachts: „Ich bin.“
Tun Sie etwas für die Meditation. Finden Sie etwas heraus und schreiben Sie mir dann einen Brief. Finden Sie Ihren eigenen Weg (finden Sie es auf Ihre eigene Art heraus). Viele Menschen fragen nach ihrer Aufgabe im Leben....
Fragen & Antworten:
Frage: Wenn Sancara keine Person ist, sondern eine Technik, wer hat sie erfunden? Wie kann man es ergründen? Ist es so, dass diese vier Phasen, dies Duriá für uns westliche Menschen ausgeschlossen ist und nur etwas für Erleuchtete aus dem östlichen Kulturraum? (..........)
Nein, das ist keine Frage des Glaubens oder Nichtglaubens. Sancara schlug viele Herangehensweisen vor, praktische Wege der Lebensführung, um den Verstand in Richtung Meditation zu bringen. Es ist nicht auf Indien bezogen, sondern auf die Menschheit im allgemeinen. Inder träumen nicht anders. Es ist nicht so, dass die Menschen dort nur von Krokodilen träumen und umgekehrt. Das Bestimmende ist, dass wir drei Körper haben, den physischen, den mentalen und den spirituellen Körper. Jeder Mentalkörper sieht Träume (träumt), das ist die Funktion des Mentalkörpers. Wenn der Mentalkörper nicht arbeitet, dann gibt es zwei Möglichkeiten: 1. Man wird verrückt. 2. Das ist ein erleuchtetes Bewusstsein.
Das ist mein Hauptanliegen: Wie Träume transzendieren (erleuchten). Wenn man Träume transzendiert, wird man automatisch erleuchtet.
Sancara sagt, Viveksuharmani sagt und die Bhagavat Gita sagt: Der Verstand wird ins Jetzt gedreht. Aber man kann einen Menschen leichter über seine Träume erfassen (zu fassen kriegen). In diesen Träumen sieht man z.B. einen Elefanten und er verwandelt sich in eine schöne Frau und der Träumer schläft mit der Frau. Ein träumendes Bewusstsein ist kein argumentierender Verstand. Man kann einen Mann (Menschen) durch seine Träume erfassen, das ist einfacher.
Das ist eine authentische Technik, jeder kann dieser Technik folgen.
Frage: Ich war vor einem Jahr mal da und das Healing von Guruji hat gut geklappt, meine Krankheit ist nicht wieder aufgetreten, und ich bin dankbar dafür. In diesem Jahr ging in Rajastan im Mai, bei Vollmond, die erste indische Atombombe hoch. Die Menschen dort riefen: Oh Shiva, oh Shakti! Was denkt Guruji darüber?
Das ist eine politische Frage. Das ist nicht meine Arbeit, aber ich will versuchen, eine Antwort zu geben. Ich bin ein spiritueller Mann (Mensch). Dies geschieht um mich herum, und ich glaube nicht, dass das etwas Falsches oder etwas Gutes ist. Atombomben mögen verkehrt sein für manche oder gut sein für manche. (Die einen so – die anderen so.) Aber ich glaube nie an Dualität. Mein Bewusstsein transzendiert Gut und Böse (Schlecht). Auf der dritten Stufe sind Krieg und Frieden dasselbe. Das ist wesentlich, und wir handeln je nachdem, was die Situation erfordert. Wenn die Situation es zwingend erfordert, einen Krieg zu haben, gehe ich in den Krieg, wenn die Situation es dringend erfordert, Frieden zu haben, gehe ich in den Frieden. Es gibt keine Kontroverse, kein Kritisieren, kein Gut oder Schlecht (Böse). Ich glaube nicht an das Gute. Das ist die dritte Kraft.
Frage: Kann nicht die Erfahrung, dass alles auf der Welt Illusion ist, Angst machen?
Sie gehen direkt zu der Schlussfolgerung. Wenn Sie der Hypothese folgen, dann wird Ihr Verstand konditioniert. Denken Sie nicht über das Ergebnis nach. Aber Sie werden es müssen, wenn Sie überlegen, ob die Welt „Maya“ ist oder nicht. Aber das hängt von Ihrem Traum ab. Finden Sie die Lücke. Die Wahrheit ist, dass Sie, wenn Sie das nächste Mal träumen, Sie zwischen zwei Träumen aufwachen werden. Schieben Sie Ihr Bewusstsein dahin, Ihre Träume zu transzendieren. Sie identifizieren sich mit den Träumen so sehr, dass der Gedanke, Ihren Traum zu verlieren, Angst verursacht. Aber wachen Sie nachts auf und Sie werden sehen: Dies ist ein Traum. Sehen Sie die Lücke zwischen den Träumen. Das ist, wenn man an die drei Stufen denkt – Susúpti - Sie werden Energie bekommen.
Eine Frage über Mantren: Das Benutzen von Mantren ist doch in Indien eine authentische Tradition, und eine Person benötigt viel, zu verstehen und viel wird bewirkt durch Mantren. Ist es nicht ein Missverständnis anzunehmen, Mantren seien falsch oder schädlich? Es ist doch eine Methode, den Geist zur Ruhe zu bringen.
Die Meditation, über die ich gesprochen habe, ist keine weltliche Angelegenheit. Durch ein Mantra einen guten Schlaf zu erreichen, mag möglich sein. Wenn es nicht um Reichtum, Geld geht, dann singen Sie Mantren. Wenn Sie hilflos sind, könne Sie diese Dinge tun. Aber ich spreche über den allerhöchsten Gipfelpunkt, über Meditation. Mein Ziel ist es, Sie zu erwecken, nicht Sie zu drängen. Gehen Sie über die Begrenzungen dieser Welt hinaus.
Mein Hauptziel ist es, Träume zu transzendieren, nicht, Sie in Ihre Träume zu drängen. Durch Mantras kann man viel bekommen. Aber ich spreche von dem allerhöchsten Ziel. Was ist der verborgene Schatz? Dann können Sie Frieden finden und dort in Ruhe verweilen. Durch ein Mantra können Sie eine Menge bekommen, aber nicht das allerhöchste Ziel.(....)
Es gibt den physischen und den spirituellen Körper. Wenn Sie ein Mantra singen, gibt es einen kondensierten Klang. Wenn diese Elektrizität kondensiert wird, wird sie zu Materie. Singen Sie „OM“, das ist Klang ....(?) Auf welche Art das Bewusstsein (den Verstand) kontrollieren?
Ich bin nicht gegen Mantren. Aber das sind weltliche Dinge.
Wie sich erleuchten?
Copyright: Guruji Mohan, Abhimanyu Dhyan Yog Kendra, Nandeshwar Dham, P.O.Box No. 118, Udaipur (Raj.) 313 031, India
Übersetzt, bearbeitet und herausgegeben von: Gunda Drews.